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Tod ≠ Trauer?

Weite Landschaft - Bestattung Ruda
22.08.2019

Wir Menschen fürchten uns vor unbekannten Dingen. Der Tod lässt uns einen kalten Schauer über den Rücken laufen. In Deutschland gehen wir konservativ und schweigsam mit dem Thema um. In anderen Teilen der Welt sieht das ganz anders aus.

Die Toraja feiern den Tod als Höhepunkt des Lebens. Sie leben auf der viertgrößten indonesischen Insel Sulawesi und glauben an eine Mischform aus Christentum und der Naturreligion Aluk Todolo. Genau das macht ihre Beerdingungskultur so spannend. Die Angehörigen verwahren die Verstorbenen zunächst Zuhause auf. Dort werden sie einbalsamiert. Ihre Anwesenheit beglückt die Angehörigen und die Geister – gute wie böse. Erst danach beginnen die Totenfeier und die Beerdigung.

Der Tod als Fest

Für eine Woche verwandeln die Toraja den Tod in ein Fest. Dazu gehören neben ausgelassener Stimmung auch Opfergaben und eine Menge Reiswein. Touristen dürfen an den Festlichkeiten gerne teilnehmen: Denn je mehr Leute mitfeiern, umso angesehener ist der Verstorbene. Jeder Gast bringt Geschenke oder Opfergaben, traditionell in schwarz verpackt: Auch die Trauergemeinde kleidet sich schwarz. Nach einem ausgelassenen Gottesdienst, in dem der christliche Gott und auch Puang Matua angebetet werden, macht sich die Trauergemeinde auf dem Weg. Junge Männer tragen den Sarg in einer Sänfte. Mal schnell, mal langsam. Manchmal bleiben sie sogar stehen. Während des ganzen Transports lachen und singen sie ausgelassen. Dieser Zickzack-Kurs verwirrt die Geister und hält sie vom Leichnam fern. Die Trauergäste stellen den Sarg auf eine Empore. Hier bleibt er die nächsten Tage. Um ihn herum feiern die Gäste den Rest der Woche ausgelassen.

Kein Einzelfall

Auch in Ghana und anderen afrikanischen Ländern feiern die Angehörigen nach dem Tod. Ein Begräbnis ist dort ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Es herrscht der Glaube, dass der Tod das Tor zum ewigen Leben ist. Oftmals sind Trauerfeiern sogar opulenter als Hochzeiten. Hier gilt ebenfalls: mehr Gäste, mehr Prestige. Um diese mehrtägigen Feierlichkeiten zu organisieren, lassen die Angehörigen die Verstorbenen einfrieren, um so viele Gäste wie möglich zu zählen. Leider übernehmen sich viele Familien finanziell mit der Ausrichtung der Feier und investieren zu viel Geld in die Toten statt in das Leben.

Und bei uns?

In Deutschland prägt das Christentum unsere Art der Beerdigung und Beisetzung. Wir weinen, sind traurig und haben nur geringen Einfluss auf die Bestattung. Nach der Beisetzung folgt der Leichenschmaus und das war es dann auch schon. Die Gesellschaft erwartet, dass alles wieder wie vorher wird. Dabei verstreichen vom Tod bis zur Beisetzung meist nur wenige Tage. Oft geben wir uns selbst nicht die Zeit, die wir zur Trauerverarbeitung benötigen. Vielleicht erscheint es hier hilfreich, sich von anderen Ländern inspirieren zu lassen und den Tod von einer anderen Seite zu betrachten. Schon der Blick auf unsere holländischen Nachbarn genügt. Dort herrscht neben einer liberaleren Gesetzgebung, was Bestattungen angeht, auch ein anderer Umgang mit dem Tod. So bleibt die Urne in den Niederlanden vier Wochen nach der Einäscherung im Krematorium zum „abkühlen“. Diese Zeit ist wichtig für die Angehörigen. Denn sie schenkt ihnen Ruhe, um in sich zu gehen und zu überlegen, wie es nun weiter geht. Bleibt die Asche Zuhause, auf dem Friedhof oder wird sie von einem Ballon aus verstreut? Unseren Nachbarn treffen die Wahl nach einer gewissen Bedenkzeit. Ein Beispiel, dem es sich zu folgen lohnt.

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